Mit ‘Inglourious Basterds’ getaggte Beiträge

Keinfreundabend

Veröffentlicht: 12. November 2009 von Gus Tarbiter in TV-/Filmtipp
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Der Nachteil, wenn man alleine ins Kino geht, ist, dass alle denken: „Iiiiiiiiiiih, der hat gar keine Freunde!“ Ich hab sie ignoriert und es trotzdem getan. Jahoo war in Berlin, Kolzi musste arbeiten und HErr Rossi hatte keinen Ausgang.

Der Vorteil, wenn man alleine ins Kino geht, ist, dass man 2 Minuten vor Vorstellungsbeginn den Saal betreten kann und trotzdem noch einen guten Platz bekommt, weil einzelne immer frei bleiben.

Da saß ich dann also 1 Minute vor Vorstellungsbeginn auf meinem Prachtplatz in der Mitte der mittleren Reihe und dachte: „Iiiiiiiih, ich hab‘ gar keine Freunde!“ – aber da ging „Inglourious Basterds“ ja auch schon los.

 

 

Was dann foltge, war sehr gut, ein großartiger Christoph Waltz, ein angenehm selbstironischer Brad Pitt, ein genial-fieser August Diehl (in einer kleinen, aber feinen Rolle, s. o.) und ein Til Schweiger, der das tut, was er am besten kann: fies gucken und verstümmeln (letztes Mal waren’s Hasenohren, diesmal sind’s Nazieier). Aber leider auch eine wie immer unterirdische Diane Kruger. Ich weiß nicht, warum die immer noch als „Schauspielerin“ besetzt wird. Ihre Selbstsynchronisation klang wie abgelesen, war gräßlich betont und hölzern. Naja,  dachte ich, vielleicht klingt sie auf Englisch besser, aber Schorse, der den Film in Kanada sah, bestätigte mir heute den gleichen Totalausfall im Original – ein Eindruck, den ein paar bei YouTube hochgeladene Filmausschnitte auf’s Fürchterlichste bestätigen.

Was ich nicht verstehe: im Original waren lt. Info Schorse die Szenen alle in der richtigen Sprache gedreht, wenn deutsch gesprochen wurde, auf Deutsch mit UT, bei französichsprachigen Szenen auf Französisch mit UT usw. In der deutschen Synchronisation war Französisch auf Französisch, Italienisch auf Italienisch, Deutsch auf Deutsch und Englisch … auch auf Deutsch! Das hätte man doch auch mal gut mit Untertiteln lösen können. Bei Apocalypto wurde dem Zuschauer doch auch der Orignialton zugemutet, weil er einen Teil des Films ausmacht. Und was war das Ergebnis? Ein großartiger Film, an dessen UT man sich ratzfatz gewöhnt hatte. Generell bin ich ja überhaupt kein Gegner von Synchronisation, wenn man freitagsabends völlig zerstört von der Woche auf dem Sofa vegetiert, hat man wahrlich kein große Passion, noch anstrengend mitlesen zu müssen. Ein bisschen berieseln lassen ist hier ganz fein und ich denke nicht, dass „Starship Troopers 3“ im O-Ton ein Meisterwerk ist, das seinesgleichen sucht und erst durch die deutsche Tonspur zur Wurst geworden ist. Außerdem gibt’s für die Puristen (Wichtigtuermodus ein: „Ich habe noch keinen Film gesehen, den die Synchro nicht zerstört hätte – Weihnachtsgeschenke kann man ja auch nur in New York kaufen!“ Wichtigtuermodus aus) auf DVDs ja (fast) immer auch die Originalversion. Aber hier hätte ich mir mehr Mut zum Original gewünscht, zumal ein Teil des Films eh untertitelt ist. Wäre es halt noch ein bisschen mehr und der Zuschauer im deutschen Kino verlöre nicht einen Teil des Filmgefühls. So funktioniert dann auch die Szene nicht, als Lt. Hicox angeblich auffällig spricht – und der Sturmbannführer deshalb aufmerksam wird – tut er nämlich in der deutschen Version (fast) gar nicht.

Seltsam nur, dass einige der vermutlich im Original deutschsprachigen Szenen auch nachsynchronisiert zu sein schienen, zumindest änderte sich der „Sprachsound“ und sie schienen nicht immer lippensynchron zu sein. Als Beispiel sei hier die Eingangssequenz mit Christoph Waltz genannt, als er vom Französichen auf’s Deutsche wechselt. Weiß ich aber auch alles gar nicht so genau, Klarheit wird hier hoffentlich die DVD mit Originalversion bringen.

Erfrischend anders fand ich, dass es der erste WW2 Film war (zumindest der erste den ich sah und der nicht komplette Fiktion ist, wie z.B. „Vaterland“), der sich auch im Großen nicht um historische Gegebenheiten kümmert und die Geschichte neu schreibt – wenn man also erwartet, dass am Ende alles so kommt, dass die tatsächlichen historischen Ereignisse erhalten bleiben könnten, dann sieht man sich (positiv) enttäuscht.

Tarantinoeske Dialoge, gutes Erzähltempo, tolle Charaktere, mehrheitlich gute bis großartige Schauspieler, pfiffige Story, unerwartete Wendungen, Hauptdarsteller erleben das Ende des Films nicht, Humor trotz WW2- und Judenverfolgungsthematik als Mittel, um den Irrsinn und die Grausamkeiten zu überzeichnen und in ihrer ganzen verqueren Sinnlosigkeit zu zeigen, ohne dabei respektlos zu wirken … und fiese Brutalität – ein gelungener Kinoabend also – schade nur, dass ich keine Freunde habe. 

Gus
(berichtete vom 10.11.09)

 

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