Im Sommer hat man Grippe. Sommergrippe.

Veröffentlicht: 13. August 2010 von Gus Tarbiter in 3 Minuten Nachspielzeit
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Im Sommer dieses Jahres war ich krank. Er fand an einem Samstag statt. An einem Samstag im Juli. Ich lag im Bett. Mit Sommergrippe. Natürlich. Keine Wintergrippe. Keine normale Grippe. Es war ja Sommer. Also Sommergrippe. Daran erkennt man, dass Sommer ist. Man hat eine Sommergrippe. Ich hatte Hals. Ich hatte Nase. Ich hatte Bronchien. Ich hatte Kopf. Ich hatte Fieber. Das war mein Sommer. Hätte ich nicht gedacht. Es ist ja immer noch Sommer. Dachte ich. Im Sommer, da geht man schwimmen. Weil’s so heiß ist. Um sich abzukühlen. Dachte ich. Stattdessen war’s kalt. Sogar im Hallenbad. Sehr kalt. Es klappte. Das mit der Abkühlung klappte. Sehr gut sogar. Zu gut. Ich hatte Schnupfen. Und Kopfschmerzen. Gleich am nächsten Morgen. Ich war schon wieder krank. Nicht so krank wie im Sommer. Aber es reichte. Es reichte für mich. Es reichte für miese Laune. Es reichte mir. August 2010 in Deutschland. Hier ist nie Sommer.

 

Vier Chancen auf einen schönen Abend. Vertan. Allesamt.

 

Der Morgen war Mittwochmorgen. Nur um genau zu sein. Ich hatte also miese Laune. Auch noch abends. Wollte aber trotzdem spielen. Wollte unbedingt spielen. Richtig miese Laune. Dachte ich. Dann kam Kolzi. Kolzi kam als erster. Kolzi hatte gutbürgerlich gesoffen. Nicht am Mittwoch. Am Vorabend. Bestimmt draußen. Es ist ja Sommer. Da säuft man draußen. Im Biergarten. Und friert. Hier ist nie Sommer. Wer nicht frieren will, muss trinken. Viel trinken. Hatte er. Da geht’s einem schlecht. Am nächsten Tag. Wenn man frei hat. Schlechter, wenn man arbeiten muss. Kolzi musste arbeiten. Und ich wusste sofort, was richtig miese Laune ist.

Zwischenbilanz: 1x miese Laune, 1x ganz miese Laune

Danach kam Jahooo. Endlich mal wieder passend gekleidet. Dem Anlass entsprechend. Nach all seinen Outfitentgleisungen der letzten Wochen. Es war ja Sommer gewesen. Dachte er. Trug Flip-Flops. Zur kurzen Hose. Auch draußen. Auch vor Fremden. Auch vor Bekannten. Vor uns. Jetzt nicht mehr. Hier ist nie Sommer. Jetzt hat er’s begriffen. Endlich. Dachten wir. Und dann die Ernüchterung. Ein fast kompletter Teller Asia-Nudeln. Mitten auf dem Hemd. Notdürftig mit der Krawatte kaschiert. Wir sahen es beide. Unabhängig voneinander. Wir sahen ihn an. Er hatte es gewusst. Aber nicht gehandelt. Kann man sich eine größere Enttäuschung vorstellen?

 

Links oben (Substanz unbekannter Herkunft) lenkt geschickt ab von rechts unten (Asia Nudel Pfanne)

 

Zwischenbilanz: 1x miese Laune, 1x ganz miese Laune, 1x Enttäuschung pur

Dann trudelte HErr Rossi ein. HErr Rossi kam als letzter. HErr Rossi kam aber vor 9. Frisch geduscht. HErr Rossi hatte ja auch Geburtstag gehabt. HErr Rossi bekam Geschenke. Blade Runner Final Cut DVD. Kannte er schon. Hatte er mal ausgeliehen. Von mir. Gelungenes Geschenk. Ist ja ein Must-Have. Gehört in jede Sammlung. 1 Steige Feine Quark Creme. Hatte er auch schon mal bekommen. Aber nicht geschenkt. Und nicht zum Geburtstag. Konnte er gebrauchen. Konnte man sehen. Bewies er sofort. Dann meldete er Sommerpause an. Für nächstes Jahr. Für sich. Es ist ja Sommer. Denkt er. Nächstes Jahr ist auch Sommer. Denkt er. Hier ist nie Sommer.

 

Pech im Unglück: HErr Rossi wünscht sich versehentlich das Falsche

 

Endbilanz: 1x miese Laune, 1x ganz miese Laune, 1x Enttäuschung pur, 1x kein Bock

Dann musste gespielt werden. HErr Rossi durfte sich was wünschen. Wünschte sich Ghost Stories. Gegen meinen Widerstand. Alle wollten Ghost Stories. Ich wollte Speicherstadt. Wegen des vielgelobten Versteigerungsmechanismus. Sonst niemand. Wegen des vielgelobten Versteigerungsmechanismus. Nicht schon wieder Ghost Stories. Jetzt wusste ich, warum es mir so schlecht ging. Warum es Kolzi so schlecht ging. Wer Jahoo die Asia (!) – Nudeln auf’s Hemd gekippt hatte. Ihn sich hatte kippen lassen. Wer HErrn Rossi ein Jahr hatte altern lassen. In nur 12 Monaten. Wu-Feng. Das war kein Spiel mehr. Wu-Feng hat Einzug in unser echtes Leben gehalten. Widerstand zwecklos. Solange wir ihn nicht besiegen, besiegen wir uns selbst. Täglich. Das ist kein Spiel mehr. Wir bauten auf.

HErr Rossi musste noch die Kerze auspusten. Durfte sich was wünschen. Er wünschte sich das Richtige. Dachten wir. Den Sieg. Den Sieg über Wu-Feng. Den Finalen Rettungststoß. Den Stoß für Wu-Feng. Die Rettung für uns.  Das große Finale. Dachten wir. Wahrscheinlich war es aber nicht so. Wahrscheinlich wünschte er sich ein glückliches Jahr. Ein glückliches Leben. Gesundheit. Für sich und seine Familie. Sowas halt. Was Vernünftiges. Vorausschauendes. Gefühlskram. Nicht Glück für diesen Abend. Nicht Glück für uns. Gesundheit schon gar nicht. Schon gar nicht für mich. Nicht heute Abend.

 

Live Action Board Gaming: Wir holen uns eine blutige Nase (ich, um genau zu sein)

 

Diesmal spielten wir richtig. Richtig nach allen Regeln. Richtig nach allen Regeln der Kunst. Dachten wir. Dachte Wu-Feng nicht. Wu-Feng hielt dagegen. Kolzi hatte die Macht der mystischen Fesseln. Kolzi pappte sich seine eigene Schriftrolle der Schwächung auf die Stirn. Er schwitzte sie durch. In 5 Minuten. Komplett. Anschließend sprach er kein Wort mehr. Zumindest nicht mit uns. Zumindest kein verständliches. Zumindest kein freundliches. HErr Rossi hatte die Macht der Zwillingswinde. Er konnte jemanden ein Feld versetzen. Am Ende seines Zuges. Er vergaß es. Kolzi vergaß es. Jahooo vergaß es. Ich vergaß es. Wieder und wieder. Jahooo hatte die Macht des Bambus. Er war der Würfler. Wir ließen ihn würfeln. Er würfelte. Schlecht. Sehr schlecht. Niemals das Gewünschte. Er musste blau Würfeln. Er würfelte andere Farben. Kein Blau. Aus den gewürfelten Farben konnte man nicht mal blau mischen. Wu-Feng hätte blau daraus mischen können. Chuck Norris hätte blau daraus mischen können. Jahooo nicht. Wir nicht. Er musste keine Fluchwürfel würfeln. Wir trieben die Geister mit den Fluchwürfeln aus. Wir anderen. Häufig. Nicht Jahooo. Nur selten. Ich hatte die Macht des Atems der Schlange. Ich war nicht der Mann für’s Mittelfeld. Da kann man nicht kämpfen. Ich musste auf’s Mittelfeld. Wieder und wieder. Wir verschenkten Spielzüge. Ein ums andere Mal. Weil uns nicht viel gelang. Weil uns nichts gelang. Wieder und wieder. Wir hatten kein Glück. Trotzdem waren wir fast gut. Wir hatten Pech. Ohne Pech wären wir besser gewesen. Mit Glück noch besser. Wir hätten es geschafft. Vielleicht. Wir hätten es trotzdem nicht geschafft. Wahrscheinlich.

 

Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!

 

Wu-Feng kam ins Spiel. Zum ersten Mal. Die Stimmung drohte zu kippen. Wir waren dem Sieg nahe. So nah wie noch nie. Aber er war stark. Zu stark. Es war die stärkste Inkarnation. Wahrscheinlich. Zumindest die ungünstigste. Für uns. Die für uns ungünstigste Inkarnation. 10 Punkte Widerstand. Sehr bunt. Wir hatten ums Überleben gekämpft. Zug um Zug. Um’s nackte Überleben. So waren wir bis hierher gekommen. Wir hatten keine Zeit für Bevorratung. Bitte bevorraten sie sich rechtzeitig. Ging nicht. Keine Zeit. Keine Züge. Wer überleben will, kann nicht sammeln. Kann sich nicht bevorraten. Wir hatten kaum Tao-Marker. Kolzi nicht. Jahooo nicht. HErr Rossi 2. Davon 1 schwarzer. Der nützte schon mal nichts. Wu-Feng war bunt. Ich hatte 3. Davon 2 schwarze. Die nützten auch nichts. Wu-Feng war bunt. Wir hatten viele ausspielen müssen. Wir hatten nicht gut gewürfelt. Unser Würfler hatte versagt. Mit 4 Würfeln keine passende Farbe. Das kostet. Das kostet Tao-Marker. Wir hatten keine sammeln können. Bis dahin. Jetzt mussten wir. Wir konnten nicht mehr kämpfen. Jahoo starb. Er hatte keine Tao-Marker. Zum Glück. Eigentlich. Eigentlich egal. Ich musste ihn retten. Es reichte nicht. Dann war es vorbei. Der letzte Geist kam ins Spiel. Oder wir wären gestorben. Alle. Kolzi und ich später. HErr Rossi und Jahooo früher. Aber alle. So oder so wäre Ende gewesen. Letztendlich.

 

Spielspaß: 2-, Wirkung gegen Kopfschmerzen: 5

 

Nächste Woche müssen wir da schon wieder durch. Nicht durch Ghost Stories. Nicht so schnell. Hoffentlich nicht. Aber durch irgendwas anderes. Es wird uns nicht gefallen. Wir werden es trotzdem spielen.

Danach spielen wir wieder Ghost Stories. Haben wir vereinbart. Fest. Nicht vorher. Aber wir werden müssen.

In 2 Wochen ist Urlaubspause. Winterurlaub. 2 Wochen lang. Auch nicht schlecht.

Gus.
(berichtete. berichtete von 11.08.10)

 

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Kommentare
  1. Kolzivers sagt:

    Bin gefrustet. Wuff, eng war es aber! Vielleicht sollten wir doch vor der Sommerpause (nur zwei Wochen??????) noch das A-Team im Kino schauen? Da werden Erinnerungen wach. Geballer ohne Ende. Alle stehen nachher auf. Klopfen sich den Staub von den Klamotten. Kein Blut. Funktionierende Pläne. . . . Irgendwie das Gegenteil von uns.

    Das B-Team sozusagen.

    Obwohl.

    So, jetzt gehe ich. Grillen.

    Mahlzeit.

    Munter bleiben.

    Kolzi

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