Wasser ist im Bauch leichter als in der Flasche

Veröffentlicht: 29. April 2010 von Gus Tarbiter in 3 Minuten Nachspielzeit
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Puh, wenn der Kolzi hier so am Tempo zieht und Berichte zeitnah schon am Folgetag (!!!) abliefert, dann will ich mal schnell auch eben völlig überhastet und unbedacht meinen Senf dazu servieren, und natürlich noch ein paar Fotos nachreichen, damit wir eine dicken Haken hinter den gestrigen Abend machen können und nicht ein weiterer Abend in der Warteschleife der Berichterstattung über mir kreist. Dafür gebührt ihm mein demütigster Dank.

Die Gefahr besteht natürlich, dass der Leser hier den chronologischen Kollaps bekommt, aber so ein bisschen innere Umstrukturierungsarbeit sei ihm doch wohl mal zugemutet – für uns ist das hier alles auch nicht immer nur spaßige Clownerie.

Was bleibt? Das meiste ist gesagt. Selbstverständlich falsch gesagt, aber gesagt.

Mitnichten wollte ich natürlich meinen Spielwunsch gegen Kolzis Konzept des simulierten Vierten Mannes durchsetzen, weil ich unbedingt „Um Krone und Kragen“ spielen wollte. Ich fand nur, dass es Wu-Feng ein würdigeres Ende bereiten würde, wenn wir ihn zu viert in die Knie zwängen, nach so vielen, an winzigen Regelversehern gescheiterten Versuchen, sollten alle dabei sein. Darüber hinaus erscheint  mir die Variante für 3 Spieler vom Lesen her etwas holperig (ohne sie je probiert zu haben). Und nach einer zu zweit komplett durchzockten Doko-Nacht mit Omma und Emma auf einem spanischen Bahnhof um wach zu bleiben und den nur 1x am Tag früh morgens fahrenden Zug nicht zu verpassen, während unsere Begleiterinnen friedlich schnorchelnd von uns bewacht in ihren Schlafsäcken lagen, sind mir Partien mit Simulationsgegnern ein gewisser Dorn im Auge (von plötzlichen Aufbrüchen in Batavia einmal abgesehen). Darum habe ich z.B. auch noch nie Alhambra zu zweit ausprobiert, denn mit Dirk, der alten Regelkrücke zu spielen, dazu habe ich entschieden keine Lust. Also, alles vernünftige und nachvollziehbare Gründe.

 

Sehr passend und zeitgemäß gesellschaftskritisch: Der Bischof bringt die Sex ins Spiel

 

Die darüber hinaus gemachten Vorgaben, dass Jahoo quasi schon vor Ankunft wieder aufbrechen musste weil er am nächsten Morgen noch Hemden bügeln musste, nötigte mir natürlich eine schnelle Auswahl eines schnell gespielten Spiels ab, und was lag da näher, als eines derer zu nehmen, die ich schon letzte Woche zur Auswahl avisiert hatte. Über den darüber hinaus gemachten Vorschlag, man könne ja auch einen ungepflegten Skat kloppen, will ich hier mal den dezenten Mantel des Schweigens hüllen. Und außerdem wollte ich natürlich unbedingt „Um Krone und Kragen“ spielen. Ich hatte es doch nur noch mit Mühe ergattern können, weil ich aus nicht mehr zu 100% rekonstruierbaren Gründen trotz des hohen Reizfaktors auf mich und der komplett verfolgten Entwicklungsgeschichte bei Amigo mit dem Erwerb so lange gewartet hatte, bis es bei keinem Händler mehr zu bekommen war („Oh toll, hier ist es noch lieferbar!“ „bestellvorgangauslös“ „Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen…“). Letztendlich blieb mir nur noch der mäßig überteuerte Gebrauchtkauf – dafür erhielt ich als kleines Gimmick eine selbstgebastelte Origamiarbeit um die Karten darin einzuschlagen ohne Aufpreis. Ach, entzückende Welt der Geeks und Freaks. Bei so viel betriebenem Aufwand und rausgeschmissenem Geld wollte ich es doch wenigstens auch mal spielen und es musste doch toll sein.

 

Wer Spiele gebraucht kauft, darf sich über kleine beigelegte Basteleien nicht wundern, nur freuen

 

Ich hätte aber ahnen müssen, dass dies nicht der richtige Abend dafür war, nach den ganzen verkorksten Startschwierigkeiten hätten wir doch besser Skat oder Hoppse gespielt und ich wäre fein raus und vor allem nicht Schuld gewesen. Weiterhin hätte ich natürlich ahnen müssen, dass das Regelstudium an meiner statt nicht nur Kolzis Laune in ungeahnte Tiefen senken würde, sondern ihn auch mit einer unerwarteteten Regelkenntnis ausstatten würde, die in die Katastrophe seines Sieges führen würde, oh ich NArrrr!

 

Kniffel 2.0 - "Mach ma 36 Punkte bei Schangse!"

 

Jahooo gab sich zugegebenermaßen alle erdenkliche Mühe, Kolzi am Begreifen der Regeln zu hindern, in dem er uns Bären von Kängurus aufband, deren Name auf Aborigine-Sprech übrigens so viel wie „Ich verstehe nicht!“ bedeutet – leider verfehlte die Geschichte ihre Ablenkungswirkung und hielt nicht mal der oberflächlichsten Recherche im Internet stand. Der Versuch sei aber trotzdem gewürdigt!

 

 

Begünstigt wurde das Endergebnis auch dadurch, dass ich am Mittwochabend bis 2 Züge vor Ende ebenfalls den Gaming-Way of Kolzi beschritt. Ich würfelte stets nur ein einziges Mal und bastelte mit Hilfe meiner beeinflussten Adligen an diesem Wurf herum, bis es irgendwie für irgendwas reichte. Für den unbedarften Beobachter (Kolzi) mag es nach gezielter Grübelei ausgesehen haben, aber dazu war ich viel zu abgelenkt / multitaskingunfähig / unkonzentriert / dämlich. Zwar reichte es immer für irgendwas, aber sinnvoll aufeinander abgestimmt war hier nix. Erst, als ich den Feldherren in greifbarer Nähe sah (fast zu spät, hätte sich Jahooo in seinem letzten Zug ein klein wenig anders entschieden), fiel mir die abstruse Endspielrunde wieder ein und zum ersten Mal versuchte ich gezielt, etwas zu erreichen, würfelte mehrfach und drehte Adelige sinnvoll auf die Seite (nein, Richard, ich habe sie keinesfalls getappt, das wäre mir einfach ein bisschen zu teuer). So entstand für mich ein leichter Anflug dessen, was das Spiel vermutlich nach ein paar Partien ausmachen wird. Schade, dass ich es vermutlich nie wieder auf den Tisch gezwungen bekommen werde, die anderen sind ja nun gewarnt, und ich glaube, so großartig, wie erhofft, werde selbst ich es nicht finden können – das Thema mit dem Reiz, der sich beim ersten Mal zumindest ansatzweise entfalten sollte, hatten wir ja auch schon mal – 1x im ganzen Spiel reicht da nicht unbedingt. Die weiteren Kritikpunkte (sehr grübellastig, einer optimiert, die anderen sehen „interessiert“ zu) hat ja Kolzi schon hinreichend erläutert. So war auch ich letztendlich enttäuscht, das falsche Spiel am falschen Abend mit den (wie immer) falschen Leuten. Wie schön hätte es werden können…

 

Spielspaß: 4+, Gewicht: 1 (unter 11kg, für Batterieleuchten zugelassen) (und im Hintergrund lauert schon wieder Wu-Feng, die alte Frühlingsrolle)

 

Wenigstens waren wir wirklich einigermaßen zeitig fertig (11 Uhr, bei Start 9.30 ist doch für ein laut Schachtel 45 min Spiel mal wieder eine respektable Leistung), hätte ich nicht den Fehler gemacht, Jahooo noch einen Fahrrad-Katalog in die Hand zu drücken. Aber so konnte wenigstens noch besprochen werden, dass demnächst die schwachsinnige Regelung, dass Batteriebeleuchtungen bei Rädern über 11kg verboten sind, noch verschärft werden soll auf 9,6kg. Schnell konnten wir uns heißreden, denn diese Regelung ist einer meiner Lieblingsaufreger zum Thema birnige Rechtsverordnungen; kann mir das als überzeugtem Batteriebeleuchtungsbesitzer und -benutzer jemand mal bitteschön so erklären, dass es irgendeinen Sinn ergibt? Ich bin da sehr gespannt! Batterien können leer sein? Ich musste jahrelang ohne funktionierendes Dynamorücklicht fahren, weil die Eigenreparatur keine 2 Wochen hielt, die Fachgeschäftsreparatur ganze 4 Wochen überstand. Seit ich Batterieleuchten habe, ist das Thema erledigt und wenn sie leer sind, gibt es diesen Geheimtipp gratis von mir: auswechseln! Auch das Wissen, dass Profis ihr Rad für 10g weniger am Lenker kaputt bohren aber Lampen mit ca. 500g Gewicht immer dabei haben müssen und dass beim Radrennen Wasser im Bauch leichter ist, als in der Flasche, konnte noch vermittelt werden. Und so mussten wir dann glücklicherweise nicht zu früh ins Bett und der Abend fand doch noch ein versöhnliches Ende.

Nicht nur für HErrn Rossi.

Gus
(berichtete vom 28.04.10)

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